Nieder-Liebersbach Heute, am 26. September 2020, sollte eigentlich unser 10. Horst Stephan Pokal stattfinden. Eigentlich sollte auch schon seit zwei Stunden der geschäftige Betrieb in der SVG Halle fahrt aufnehmen und viele helfende Hände würden alles für einen wiederum gelungenen Wettkampftag vorbereiten. Der Parkplatz neben der SVG Halle würde sich schon reichlich gefüllt haben, die Halle ebenso. Auf und neben der Aufwärm-Matte wären Sportler und Trainer schon fokussiert auf ihren bevorstehenden Auftritt und unsere Vorfreude auf eure Übungen wäre riesengroß. ABER in Zeiten von Corona kommt in diesem Jahr alles anders. Der HSP ist abgesagt, die Sporthalle ist leer und wenn alles gut geht werden wir uns am 25.09.2021 zu unserem 10-jährigen Jubiläm hoffentlich wiedersehen. In diesem Sinne, passt auf euch auf und BLEIBT GESUND!

An Stelle von Informationen rund um den HSP oder einer Startliste, veröffentlichen wir hier nachfolgend eine gelebte Chronik rund um Horst Stephan....

WIE DIE SVG NIEDER-LIEBERSBACH ZUR SPORTAKROBATIK KAM

Nachdem im Dritten Reich, der bereits 1911 gegründete Kraft-Sport-Club verboten wurde, trafen sich 1945 26 sportbegeisterte Bürger zur Neugründung. Einer von ihnen war Horst Stephan.

Horst Stephan trat dem Verein bereits 1943 bei und spielte bis 1947 Handball. Ab 1948 gehörte er den Ringern und Gewichthebern an. Mit Hans Falter II und Hans Falter III nahm er den Pyramidenbau, der bereits in den 20er Jahren eine Hauptattraktion darstellte, wieder auf. Beflügelt von der Idee den Kunstkraftsport im Verein zu etablieren, lernte er erst mit 20 Jahren die damals geforderten fünf „Tricks“ um an Meisterschaften teilzunehmen. Dazu gehörten unter anderem Spagat, Standwaage, Handstand, Freikopf und Knotenhandstand.

Von 1951 bis 1956 trainierte er Schülergruppen als 2. Abteilungsleiter der Schwerathleten. 1961 wurde innerhalb der Schwerathletik die Abteilung Kunstkraftsport gegründet. Zur damaligen Männerdomäne kam 1964 mit Annetraud Emig das erste Mädchen zu den Kunstkraftsportlern. Horst Stephans erfolgreiche Trainerarbeit ermöglichte bereits 1965 die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften. Mit dem ersten Titelgewinn 1967 durch Heinz und Richard Andolfatto “Die 2 Santos“ begann eine erfolgreiche Laufbahn der Kunstkraftsportler der SVG.

Um diesen Sport auch dem breiten Publikum näher zu bringen, organisierte er ab 1966 21 Jahre lang die Sport- und Akrobatikschau am Ostersonntag. Dies und die bejubelten Auftritte bei Herbstsportfesten bewog ihn 1970 die selbständige Abteilung Kunstkraftsport zu gründen, die bisher noch immer der Ringerabteilung angegliedert war. Bis 1986 stand er der Abteilung vor und führte „seine Sportler“ zu 30 deutschen Meistertiteln in verschiedenen Disziplinen. Ebenso blieb es nicht aus, dass SVG Sportler in die Deutsche Nationalmannschaft zu Länderkämpfen und internationalen Meisterschaften berufen wurden.

Doch das war nicht alles. Neben seiner Abteilungs- und Trainertätigkeit engagierte er sich im Hessischen Sportakrobatikverband (HSAV). Er war 9 Jahre Landesjugendleiter (1969-1978);   9 Jahre (1977-1986) Landessportwart und 9 Jahre Vize-Präsident des HSAV (1986-1995). Ab 1970 war er auch Kampfrichter im Hess. Kunstkraftsport-Verband. 5 Jahre später wurde er Kampfrichter auf Bundesebene. Ab 1977 folgte die internationale Kampfrichterlizenz. Nach ungezählten nationalen und 35 internationalen Einsätzen beendete er nach 31 Jahren 2001 dieses Amt. Es entwickelten sich unzählige Kontakte und Freundschaften. Unter anderem die 25-jährige Freundschaft mit dem Präsidenten des Französischen Akrobatikverbandes Mathieu Ross von Rocher Freyming-Merlebach. Ebenso mit der Schweizer Akro-Gruppe Winterthur.

Die Freundschaften im „internationalen Geschäft“, die er als Funktionär und internationaler Kampfrichter bei Europa- und Weltmeisterschaften schließen konnte, bildeten auch die Basis für 5 Länderkämpfe mit Bulgarien (2), Polen (2) und Ungarn (1), die in der Großgemeinde Birkenau stattfanden. Gleiches galt für die Sportakrobatikgala mit Kulturaustausch. 1995 und 1999 mit der Chinesischen Nationalmannschaft sowie 1997, 2004, 2007 und 2015 mit der Russischen Nationalmannschaft.

1996 initiierte er mit den Sportakrobaten aus Sensbachtal eine Benefizveranstaltung für einen schwer verunglückten Akrobaten. Neben der Chinesischen Nationalmannschaft nahmen auch die Deutschen Spitzenakrobaten daran teil.

Seit er 1986 die Abteilungsleitung abgab, steht er der Abteilung mit Rat und Tat zur Seite. Zahlreiche Auszeichnungen füllen Vitrinen und Alben. Besonders stolz ist er auf die Leistungsplakette der Deutschen Olympischen Gesellschaft.

Anläßlich seines 85. Geburtstages 2014 wurde ihm die silberne Ehrenplakette der Gemeinde für herausragende Verdienste von Bürgermeister Helmut Morr überreicht. Anschließend durfte er sich auch im Ehrenbuch der Gemeinde Birkenau verewigen.

Ende August 2019 feierte Horst seinen 90. Geburtstag.

All das wäre nicht möglich gewesen, ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Frau Gertrud. Sie fungierte im Hintergrund als Ratgeber und Zuhörer, hatte stets ein offenes Haus und noch heute ist jeder willkommen. Drei Kindern, fünf Enkelkindern und zwei Urenkeln widmete er seine Zeit.

Wir, die Sportakrobaten, haben Horst Stephan unendlich viel zu verdanken und finden dennoch nicht genügend Worte um   D A N K E   zu sagen.

Nachruf

Horst Stephan ist am 14. Juli 2020 verstorben. Wir werden Horst in ehrenvoller und dankbarer Erinnerung behalten und sein Lebenswerk fortsetzen. 

 

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